…haben wir gestern erleben dürfen.
Vorgestern, als wir vom Strand zurückgefahren sind, haben wir zwei Jungs aufgegabelt, die per Anhalter unterwegs waren. Wie es der Zufall will, zwei Pfälzer und zwei echt coole Socken. Anfang 20, zum Überwintern auf den Kanaren. Faszinierend, die Jungs haben in ihrem jungen Leben schon gecheckt, wofür ich 45 Jahre benötigte.
Sie erzählten uns von einem alternativen Markt in los Llanos, der gestern stattfand. Wir verabredeten uns spontan, und fuhren gemeinsam dahin.
Der Markt und vor allem die Menschen dort, haben mich nachhaltig beeindruckt. Aussteiger und Andersdenkende, die sich in allen Sprachen unterhielten, einfach nur so, oder um an ihren Ständen Selbstgemachtes oder Altes zu verkaufen. Es gab Musiker, die auf allen möglichen Instrumenten musizierten, es gab Artisten, und – was mich besonders beeindruckte, einen Fotografen, der mit einer Uraltkamera, oder fast schon antiken Kamera, analoge Fotos machte, und diese dann auch in einer mini-Dunkelkammer sofort entwickelte… und die Fotos waren großartig!
Auf dem ganzen Markt herrschte eine friedliche und harmonische Stimmung, wie ich sie nich nie erlebt habe.
Es war so beeindruckend, dass ich es nicht übers Herz gebracht habe, mein Handy zu zücken und auch nur ein einziges Foto zu machen. Das Handy oder gar die grosse Spiegelreflex hätten alles kaputt gemacht. Keiner hatte ein Handy in der Hand oder am Ohr. Es hätte nicht gepasst und ich wäre mir vorgekommen, wie ein Gaffer.
Es war wie das Eintauchen in eine andere Welt. Ich hab mich zu Hause gefühlt, obwohl ich nicht dazu gehört hab.
Als der Markt schloss, sind alle zum Strand nach Tazacorte gefahren, um Spaß zu haben zu musizieren, Bälle zu jonglieren oder einfach nur die Sonne zu genießen.
Leider mussten wir zeitig wieder los, da die Hunde zu Hause waren, ich wäre gerne noch geblieben!
Heute sind wir wieder mit einem der Jungs verabredet, unsere Jungs möchten unbedingt das alternative Dorf sehen, in dem Einige in Höhlen wohnen. Ich freue mich schon drauf, noch ein bisschen tiefer in diese andere Welt einzutauchen und unseren Jungs zu zeigen, dass auch ein Leben jenseits von PlayStation und Nutella lebenswert ist.
Edit… wir haben sie leider nicht gefunden. Wir sind zwei Stunden rund um den Berg marschiert, sind auch an einer Art Siedlung gelandet, wir denken, dass es die richtige war. Doch wie das in Spanien so üblich ist an heißen Tagen, wurde Siesta gehalten und keine Menschenseele war zu sehen. Einfach irgendwo „einzudringen“, zu rufen oder zu klopfen, haben wir uns nicht getraut, ich hatte irgendwie einen heiden Respekt in mir und wollte diese Menschen keinesfalls stören.
Auf dem Heimweg, als wir schon wieder am Auto waren, trafen wir auf einen der Bewohner, den wir gestern schon kennenlernen durften… ihm hätten wir folgen können, aber den Weg ein zweites Mal marschieren wollte keiner von uns :p
Aber es war dennoch ein toller Tag. Jeder von uns macht sich so seine Gedanken und erneut stellen wir fest, wie so oft in letzter Zeit, Glück hat so rein gar nichts mit Reichtum oder Besitz zu tun. Wir sind sehr dankbar für die vielen Eindrücke und Erfahrungen, die wir machen dürfen. Gleichzeitig aber auch sehr beeindruckt.