Die Werbung und die Gier

Ich möchte nochmal an meinen Blogpost von neulich anknüpfen… wisst ihr noch? Als ich von Konsumwahn und Systemzombies schrieb.

Ich frage mich, wie es möglich ist, dass wir zu derart konsumgeilen Systemzombies werden konnten, ohne es zu merken. Und ich möchte da bei einem Buch ansetzen, das ich mal gelesen habe.

Bei dem Buch handelte es sich um einen Kriminalroman mit dem Namen „heiße Glut – Rache ist ein süßes Wort“  oder zumindest ähnlich, es ist schon eine gefühlte Ewigkeit her, dass ich es gelesen habe. Es handelt von einer jungen Frau, die als Sündenbock für einen Mord im Milieu mißbraucht wird und lebenslänglich in ein Strafgefängnis für Schwerverbrecher musste. Sie hörte nie auf zu kämpfen und schaffte es schließlich aus dem Gefängnis entlassen zu werden, da sie das kleine Kind des Gefängnisdirektors vor dem Ertrinken rettete. Dieser Fall wurde in den Medien breitgetreten und der Druck der Bevölkerung auf die Justiz, sie forderten vehement die Begnadigung, wurde letztendlich so groß, dass sie tatsächlich entlassen wurde. Und nun begann der genialste Rachefeldzug aller Zeiten. Sie schlug alle ihre Widersacher mit Bravour und vor allem mit Intelligenz. Diese Frau hat mir nachhaltig imponiert, auch wenn sie eine fiktive Person war. So clevere Schachzüge, die man in ihren Grundzügen immer wieder wundervoll auf das echte Leben anwenden kann ?

Nach ihrer Rache (im zweiten Buch) wird sie zu einer cleveren Verbrecherin, die mit Stil und Charme reiche Großkotze, diese selbst mit der Ehrlichkeit nicht so genau nehmen und ihr Vermögen durch Betrügereien und Ausnutzen ihrer Position vermehren, um einen nicht unerheblichen Teil ihres Vermögens erleichtert.

In der Geschichte verbringt sie einige Zeit in einem Vergnügungspark. Von einem zwielichtigen Schausteller lernt sie, wie man die Gier der Menschen gegen sie selbst nutzt. Man macht sie so heiß auf etwas, dass sie leichtgläubig werden, bereit sind Risiken einzugehen, nur um das ersehnte Objekt, die Frau, die weit oberhalb der eigenen Liga spielt, das so lukrative Geschäft zu bekommen. Und werden natürlich gnadenlos überlistet und immer um einiges erleichtert.

Und gerade in diesem Teil steckt so viel Wahrheit, denn die Welt ist ein Vergnügungspark, wir sind die leichtgläubigen Besucher und die großen Konzerne sind der Schausteller, der die Gier und die Leichtgläubigkeit der Besucher des Vergnügungsparks gegen sie nutzt.

Genau das passiert in unserem täglichen Leben mit uns. Ständig wird unsere Gier geweckt. Genau die Gier nach neuem Besitz ist das, was die Werbung, und die Großkonzerne, die dahinter stecken, wecken, damit wir immer mehr und mehr konsumieren. Wir sind bereit Risiken einzugehen, weil die Werbung nicht nur die passenden Artikel, sondern darüberhinaus auch noch den maßgeschneiderten Kredit dafür anpreist, wenn das, was wir durch viel zu viel Arbeit für viel zu wenig Geld verdienen, nicht ausreicht.  Wir sind bereit, uns durch Kredite ans System binden zu lassen, und zwar langfristig. So sind wir schön kontrollierbar. Oder?

Das dritte iPhone in Folge, es muss immer das neueste sein. Das Ding muss ja aber auch der Hammer sein, immerhin campieren Tausende vor den Applestores, um gleich am ersten Tag das neueste Modell zu erhaschen. Ironie off. Wenn das mal keine inszenierte Sache….. nein, lassen wir das, ich bin kein Aluhutträger und vermutlich muss man das auch gar nicht inszenieren, denn die Gier der Menschen nach Besitz  ist längst viel zu groß geworden. Werbung sei dank.

Ist euch schonmal aufgefallen, dass man beinahe nicht leben kann, ohne von Werbung überhäuft zu werden? Überall ist sie und sie hat nur den einen Zweck. Unsere Gier zu wecken, Dinge zu kaufen, ohne deren Existenz wir niemals auf die Idee kämen, dass Wir sie brauchen.

Ich bin nun keinesfalls jemand, der den Fortschritt grundsätzlich verteufelt. Ganz im Gegenteil. Aber es ist in eine Richtung abgedriftet, die sinnlosen Konsum als Ersatzbefriedigung gegen das Leben eintauscht.

Bevor ich mir das nächste Handy, ein neues Objektiv, das neue Modell einer Spiegelreflex, die PlayStation xxx oder den Nintendo yyyy, kaufe, die Liste ist beliebig erweiterbar, gehe ich fünf Minuten in mich und frage mich, ob ich das wirklich brauche, oder ob es nur meine Gier ist, die die Dauerberieselung durch Werbung gerade geweckt hat.

Ich hab schon ne Menge Geld gespart, in dem ich der Gier widerstanden habe. Und bin verdammt froh darum.

Gedanken am frühen Morgen

Seit einiger Zeit treiben mich Gedanken um. Mir ist etwas eingefallen, etwas aus meiner Kindheit. Als ich noch recht klein war, definitiv unter 10 Jahre, hatte ich ganz oft das Gefühl, dass hier irgendwas nicht stimmt. Dass das Leben, so wie es läuft, falsch ist. Dass die Zwänge, denen wir unterliegen, damals war es die Schulpflicht, mit oft stundenlangen Hausaufgabensessions, nicht gesund sind. Dass das nicht DAS LEBEN sein kann. Ich spürte die Unnatürlichkeit dieses uns auferzwungenen Lebens. Schon damals war ich fasziniert, wenn ich im TV Dokumentationen über Naturvölkchen mit tiefschwarzer Haut sah, die nichts hatten, aber denen man im Gesicht ansah, dass sie um einiges glücklicher waren, als wir. Von denen hatte keiner diesen verbissenen Zug meiner Mutter um den Mund, der diesen zu einer geraden, harten Linie verzerrte und aus ihrem Gesicht eine kalte Fratze machte, vor der ich mich fürchtete. Diese Menschen im Fernsehen sahen so glücklich aus, so entspannt. Sie wurden „Wilde“ genannt und man belächelte sie, weil sie unzivilisiert waren. Unzivilisiert… die Glücklichen! Keiner schreibt Ihnen Dinge vor, die sie tun müssen, die aber völlig sinnfrei sind. Die arbeiten nur, um zu leben.

Damals schon sinnierte ich darüber nach, warum es Menschen gibt, die uns vorschreiben dürfen, was wir zu tun und zu lassen haben.  Sind nicht alle Menschen gleich? Warum dürfen andere über uns bestimmen? Warum darf nicht jeder Mensch so leben, wie es ihn glücklich macht? Ich hatte das Leben mit 10 schon besser verstanden, als die Systemzombies es jemals verstehen werden.

Wenige Jahre später, als ich den Schulalltag mit so sinnvollen Fächern wie Latein und Religion hinter mir ließ, mein Protest in Form konsequenter Mitarbeitsverweigerung und daraus resultierender unterirdisch schlechter Noten, zeigte Erfolg und ich durfte das altsprachliche Gymnasium verlassen und mir einen Beruf suchen, wurde mir das erneut bewusst. Beruf suchen ist auch etwas falsch… ich starrte schon lange in das Schaufenster des ortsansässigen Fotografenstudios, bewunderte die Dame hinter der Kamera, wie Andere einen Star aus der Bravo. Mein Herz zog mich dahin und als ich gefragt wurde, welchen Beruf ich denn gerne lernen würde, antwortete ich spontan mit „Fotograf“. Ich war schon immer kreativ, und das einzige, was mich wirklich interessierte, war Malen und Musik.  Die Antwort auf mein Berufswunsch waren ein verächtliches Schnauben, ein verständnisloses Kopfschütteln, und die Aussage: „phhh Fotograf, das ist doch kein Beruf! Nein, du lernst was Anständiges!“

Und so wurde ich, weil mein Vater mit meinem zukünftigen Chef Tennis spielte und die das abends am Stammtisch einfach so beschlossen haben, Augenoptikerin. Eine Wahl hatte ich nicht wirklich. Ich war erst 16 und durfte nicht selbst entscheiden, was ich den Rest meines Lebens tun möchte. (Achtung könnte Spuren von Sarkasmus enthalten.)

Ich weiss noch genau. Ich arbeitete gerade mal eine Woche. Und da war es wieder. Dieses Gefühl. Das kann es nicht sein. Das ist falsch. Das halt ich nicht mein ganzes Leben lang aus. Ich tat es trotzdem. Ich war schon so konditioniert, dass ich meine innere Rebellion unterdrückte und mich selbst in das Erlernen dieses Berufs zwang. Ich arbeitete von morgens halb neun, bis abends halb sieben, vier Tage die Woche, plus Samstag. Für lächerliche 220DM. Samstags auch während des Blogcknterrichts, wo man eigentlich von Rechtswegen frei hätte, was mein damaliger Sklaventreiber aber so gar nicht einsehen wollte. Wir würden in den vier Wochen Blockunterricht ja sonst alles praktisch erlernte vergessen. Also kam ich auch Samstags während der Schulblöcke zur Arbeit – und durfte das Lager aufräumen ???

Mein Geist hörte auf zu rebellieren, meine Eltern hatten mich schon früh mundtot gemacht, dafür übernahm mein Körper die Rebellion und bildete eine allergische Reaktion auf mein Leben. Man nennt es auch Neurodermitis. Und das war nur der Anfang meiner inneren, unbewussten Rebellion, von da an lief nichts mehr so, wie bei angepassten Menschen. Die Gesellschaft machte mich krank, mehr und mehr, und ich begann mich herauszuwinden. Nicht immer bewusst und zeitweise unter Einsatz krasser Methoden, aber mir war völlig klar, so läuft das bei mir nicht! Ich kann nicht so sein, wie es die Gesellschaft verlangt.

Und um den Bogen zu unserem Reiseblog wieder zu bekommen, jetzt wird mir das gerade wieder bewusster denn je. Auch wenn ich sicher kein typisch angepasstes, Braves Mitglied unserer Gesellschaft bin und seit meiner (übrigens abgeschlossenen! Ich hab es wirklich durchgezogen) Ausbildung nie wieder in der Tretmühle gearbeitet hab, sondern immer mein eigener Chef war, und das auch schon immer mit unkonventionellen Geschäftsideen, wird mir doch grade wieder bewusst, in welcher Systemmühle wir gefangen sind. Arbeit, Konsum, Werbung, noch mehr Arbeit, um den durch die Werbung verursachten Konsumwahn befriedigen zu können, und den großen Konzernen Geld in den Rachen zu werfen und noch mal mehr arbeiten, weil wir ca. 75% des erwirtschafteten Geldes ja noch nichtmal behalten dürfen, sondern an den Staat abtreten dürfen, damit dieser noch mehr Systemzombies züchten kann….  Geld regiert nicht nur die Welt, Geld regiert UNS….

STOPP!!!!

Ich möchte da nimmer mitmachen!

Wir sind seit über einem Monat mit leichtem Gepäck unterwegs. Unser ganzes angehäuftes Hab und Gut haben wir zurückgelassen. Und was soll ich sagen? Ich vermisse nichts! Mir geht es gut. Wir sind uns genug. Und deshalb werde ich abspecken. Ich möchte mit weniger auskommen, weniger Konsum, weniger racken, um mehr leben zu können. Konsumgüter sind kein Ersatz für ein erfülltes Leben. Ich möchte wieder vom Konsumenten zum lebenden Menschen werden. Keine Ahnung, wie ich dahin komme, man ist in dem Konsumwahn so gefangen, dass man es ja gar nicht anders kennt und kann und nicht selten noch nichtmal merkt, dass man gerade nur um des Konsums Willen konsumiert und nicht, weil man etwas wirklich braucht…. der Weg eines Total-Aussteigers, der im Wald in einer einsamen Hütte wohnt und nur noch von Selbsterschaffenem lebt, ist auch nicht meiner. Aber ich werde einen Weg finden und gehen, dessen bin ich mir sicher! Und ich werde versuchen, unseren Kindern zu zeigen, dass es ein Leben außerhalb des Konsumwahns gibt. Und dass es sich lohnt, dieses „andere“ Leben zu leben und unangepasst zu sein und das zu tun, was einem glücklich macht. Aber ich glaube, das haben sie schon verstanden 🙂