Traurige Zeit :(

Diese Woche war sehr traurig. Und überschüttet von Dramen. Diese hatten so gar nichts mit den Dramen der letzten Zeit zu tun und waren völlig anderer Natur. Aber deshalb nicht weniger traurig.

Als wir hierher gezogen sind, haben wir binnen weniger Tage Anschluss gefunden. Wir wurden so herzlich empfangen. Integriert in das Leben der Locals hier, ohne Fragen zu stellen, ohne Argwohn, den man Fremden gegenüber vielleicht haben könnte.

Wir fühlten uns innerhalb einer Woche, als gehören wir schon immer dazu.

Wir hatten aber auch Glück, grenzt doch unser Grundstück an das Grundstück einer riesigen Patchworkfamilie, die sich schon recht bald als zentraler Dreh- und Angelpunkt eines Teils der hiesigen Locals darstellte.

Unzählige Kinder, Geschwister, Neffen, Enkel, Onkel, Tanten und gelegentlich auch nur Freunde durften wir in den letzten Monaten kennenlernen. Und ich sag euch… jeder einzelne von Ihnen zähl ich zu den liebenswürdigsten Menschen, die ich je kennengelernen durfte.

Einer Familie so voll von Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit, voll Liebe und Zusammenhalt begegnet man selten.

Und dieser Familie wurde ein Teil genommen. Das Herzstück der Familie, die liebe Tracy, Mutter, Stiefmutter, Oma und Tante hat den langen und sehr mutigen Kampf gegen den Krebs verloren.

Sie war eine so herzensgute und starke Frau. So lievevoll. Auch zu uns, die wir doch eigentlich Fremde sind.

Fly high, Tracy!

I will remember you as one oft the loveliest women I ever met in my life. We just have known us for a very short time of our lifes. But you and your whole familiy made our start here as perfect as it could be.. I always will be thankful for that.

Fly high, Tracy, and rest easy…

 

And to the rest of your lovely family… I will be there for you… no matter what. ❤

Ja mein englisch ist immer noch nicht perfekt. Aber was spielt das schon für eine Rolle?

 

 

 

Ein halbes Jahr ist um

Mehr als ein halbes Jahr sind wir nun schon auf Fuerteventura.
die Hitze ist überstanden. Das war meine größte Sorge, ich bin ja gar nicht so der Hitze-Fan, deshalb waren die Kanaren mit ihrem ewigen Frühling ja meine erste Wahl 🙂

Es ist aushaltbar hier, auch im Sommer, bei täglichen 28 Grad und gelegentlichen 38 🙂 Wasser von außen gibts überall in ausrechender Menge und am Strand geht immer ein kühles, erfrischendes Lüftchen. Meine persönlöich größte hürde- die Temperatur und das Klima – sind dem Ort entsprechend paradiesisch

Ihr merkt schon… Fuerte rockt noch immer 🙂

Auch wenns an anderer Stelle kriselt, ein paar von Euch haben es ja zu meinem Leidwesen mitbekommen, weil Dinge nach außen getragen wurden, die da eigentlich nichts zu suchen hatten und ich mich genötigt sah, mal kurz etwas klar zu stellen und Luft abzulassen.

Also selbst wenn das Privatleben ein bisschen suckt derzeit: Hier ist immer noch das Paradies.

Ich war beinahe vier Wochen in Deutschland im Juli und ich hab die Insel vermisst. Vor allem den kanarischen Lifestyle… die entspannten Menschen hier… hier ist niemand gestresst, genervt, laut oder am streiten… oder man bekommt es einfach nicht mit. die Sonne, die viele Sonne macht einfach gute Laune, auch wenn man arbeiten muss, es durchaus auch hier Familienstreits gibt (nicht nur bei uns :p), es die gleichen Sorgen, Probleme und das gleiche Leid gibt wie überall: Hier ist Ärger einfach kleiner, leichter und unbedeutender…

Und ich liebe meine Insel immer noch. Auch wenn sie jetzt noch karger ist, als im Frühjahr, ich liebe die Farben hier.. es ist so inspirierend, dass ich nach langer Zeit meine Kamera mal wieder ausgepackt hab (also die „Gute“, nicht nur die vom Handy, die normalerweise die Fotos macht, die ich Euch zeige) und erstmal alles fotografierte, was mir vor die Linse kam.. ja, das ist hier in erster Linie der Atlantik. Oder Sand. Oder Menschen. Mit Atlantik oder Sand im Hintergrund…
Und Sonnenuntergänge… was liebe ich die Sonnenuntergänge hier…
Egal auf welcher Seite der Insel, ob die Westseite, auf der die Sonne in den Atlantik zischt, oder die Ostseite, die die untergehende Sonne in ein Meer aus Türkis und zartrosa taucht.. einfach herrlich!

Von der Westseite hab ich Euch ein paar Fotos mitgebracht. Genauer gesagt, von El Cotillo.
Einem der wundervollsten Orte auf der Insel:

Warum ich wegwollte und was ich gefunden hab

Natürlich sind wir nicht einfach so aus Deutschland verschwunden. Wir hatten unsere Beweggründe,  jeder für sich und nicht unbedingt deckungsgleich.

Es war auch nicht ein Grund.  Es waren viele kleine Gründe, die zusammengenommen einen großen Batzen ergaben.

An der Stelle kann ich euch nur einen Einblick in meinen Kopf gewähren.

Ich spürte eine stetig wachsende Unzufriedenheit in meinem leben. Beruflich lief alles bestens, unsere kleine Firma  (nein, wir stellen keine Bonbons her :p ) florierte und wir hatten schon in Deutschland ein gutes Leben und genossen es auch in vollen Zügen.

Ich war aber schon immer ein Mensch,  der viel nachdachte. Und je mehr ich nachdachte,  umso mehr Unzufriedenheit machte sich breit.

Unzufriedenheit darüber, was um mich herum passiert.  Es waren eine Menge persönliche Gründe, auf die ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht näher eingehen möchte, die bei der Entscheidungsfindung eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben, ja sogar das Tüpfelchen auf dem i waren, der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte und auch der Tritt in den Hintern,  den ich benötigte, um es durchzuziehen.

Ein weiterer nicht unerheblicher Teil von mir dachte also nach.. Und je mehr er nachdachte, umso mehr Missstände wurden diesem Teil von mir bewusst. Missstände auf der ganzen Welt,  in Europa,  in Deutschland,  in Meckpomm und sogar in Hugoldsdorf.  Also im Großen und im Kleinen. Angefangen von einem sklaventreiberischen System,  das gutes illegalisiert um gewinnbringendes pushen zu können, über die Weltpolitik, beherrscht vom Größenwahn narzistischer Kleinkinder,  zu einer duckmäuserischen deutschen Regierung ohne Eier, dem derzeitigen Zustand in Deutschland,  den ich als Beginn des dritten Reiches 2.0 sehe und dem leider allgegenwärtigen Terror. Wenn ich Nachrichten schaue, hab ich tagelang Depressionen und Ängste und frage mich so manches Mal,  ob es nicht besser wäre, ne Bombe zu werfen und von vorne anzufangen. Dieses allgegenwärtige Elend,  der Hass,  der Neid,  die irrationalen Ängste mancher Menschen vor allem, was sie nicht kennen und verstehen. Diese widerliche Einstellung der „ich bin nicht rechts, aber“ – Menschen.

Da eine Bombe samt  Menschheit 2.0 eher Wunschdenken bleiben, und ich nicht mächtig genug bin, um etwas für die ganze Welt zu erreichen, blieb nur ein Weg: Etwas für mich zu ändern.

Ich wollte also weg. Ohne zu wissen, ob es woanders besser werden würde, aber zu verlieren hatte ich schließlich auch nichts..

Und ich hab nichts verloren… Ganz im Gegenteil.. Ich hab sehr viel gewonnen…

Die große Menge an tollen Erfahrungen und großaetigen Erlebnissen mal ausgeklammert, hab ich sehr viel Positives erfahren.

Ich habe in erster Linie erfahren,  dass es auch anders geht, als in Deutschland.  Ich habe Menschen kennengelernt mit offenem Geist und Wärme im Herzen. Aller nur denkbarer Nationen.  Die auf den spanischen Inseln gegenüber den Einheimischen deutlich in der Überzahl sind. Ohne dass die Spanier Ihnen negativ gegenüber stehen. Zumindest hab ich bislang nichts dergleochen erfahren. Ohne, dass sie sich zusammenrotten und niemanden, der anders ist in ihrem Kreis aufnehmen wollen. Ohne Gäste,  die sich nicht zu benehmen wissen (ok, Ausnahmen gibt es überall). Ohne Vorurteile, mit einem Lächeln im Gesicht und mit einer unbeschreiblichen Herzlichkeit wurden wir hier, quasi als deutsche Flüchtlinge vor deutschem Denken, aufgenommen und integriert.

Hier wird Nachbarschaftshilfe noch gelebt.. Jeder akzeptiert jeden. Genauso, wie er ist. Jeder darf er selbst sein. Aber niemand käme auf die idee, dabei rücksichtslos zu sein.

Kurz, es gibt es noch, das Paradies der Andersdenkenden aus aller Welt.  Nur nicht in Deutschland oder überhaupt in Europa eher selten. Und ich bin froh und dankbar, dass mich die vielen kleinen Gründe,  die zu einem großem Batzen wuchsen,  dorthin geführt haben

Irgendwie will mir heute kein abschließender Satz einfallen. Aber vielleicht braucht es den auch gar nicht. Es sind ja nur meine Gedanken…

Wir sind dem Hamsterrad entkommen, aber….

Er kam langsam.. Klammheimlich und unbemerkt hat er sich uns wieder bemächtigt… der Alltag.

Die aufregenden drei Monate Reisezeit sind vorüber, wir haben eine feste Base und zu meinem großen Schrecken und auch Ärgernis ist der Alltag und mit ihm alte Gewohnheiten, viel schneller wieder eingezogen, als ich es wollte. Ich ertappe mich schon wieder dabei, wie ich für Dieses und Jenes keine Zeit habe, noch nicht mal fürs bloggen. Wie ich morgens schon darüber nachdenke, vor den vielen Tagesaufgaben einfach fliehen zu wollen. Wie ich rund um die Uhr arbeite, tue und mache und trotzdem zu keinem Ergebnis komme…

Und warum? Aus Ehrgeiz… es fing an mit Lust.. Lust auf ein neues Projekt, mit neuem Arbeitsmaterial, welches ich noch in Deutschland bekam und es noch nicht richtig nutzen konnte, wegen unseres doch leicht überstürzten Aufbruchs. Für die, die mich kennen, ich wollte uuuunbedingt mit meinem Cintiq einen hammergeilen backdrop malen. Für den Frühling. Für die neue Frühjahrskollektion. Nun muss dieselbige aber dringend in den Shop, ich bin aufgrund der Reise ohnehin schon in Verzug. Und das handgemalte highlight der Kollektion wird und wird nicht fertig.. weil ich es zum ersten Mal mache, weil es aufwändiger ist, als gedacht, weil ich mir erst eine Maltechnik überlegen musste, mit der es gut aussieht, bei der ich mich aber nicht totmale und aus noch gefühlt 428 Gründen mehr. Mit jedem Tag, an dem der Drop nicht fertig wurde, stieg der Druck. Mit steigendem Druck stieg der Frust. Mit stiegendem Frust schwand die Kreativität. Und die Fähigkeit, mich zu entspannen. Dafür kam das Gefühl, für nichts anderes mehr Zeit zu haben. Außerdem war ich so verspannt, dass mein Rücken mir binnen kurzer Zeit und angesichts dessen, dass ich langes Schreibtisch sitzen irgendwie wohl nicht mehr gewohnt war, heftigste Schmerzen bescherte. So half also noch nichtmal die altbewährte Technik „Augen zu und durch, legen wir halt zwei drei Nachtschichten ein“… Nein, und das ist auch GUT SO!

Denn dann laß ich mal wieder bei weltnah.com den neuesten Artikel und verstand… (den Link dazu findet ihr am Ende dieses Beitrags)

Ich war grade dabei, mir mein eigenes Hamsterrad zu bauen.. aus Ehrgeiz… weil ich in unserem Shop etwas haben wollte, was es in keinem anderen Shop in Deutschland gibt und ausnahmsweise auch nicht ganz so einfach kopiert werden kann… und damit ging auch mir der Flow verloren.

Meine Erkenntnis aus der Sache…. Grade Kreativität kann man nicht erzwingen. Und Ehrgeiz ist kein guter Förderer von  Kreativtät.
Ebensowenig wie Hamsterräder…  ich brauche den Flow!

Deshalb geht meine Frühjahrskollektion nun ohne mein aufwändig gemaltes Kunstwerk in den Shop und ich male weiter, wenn ich Muse und Zeit für Kreativität habe… und ich werde in Zukunft darauf achten, mir keine eigenen Hamsterräder mehr zu bauen.

Lasst es fließen 😉

 

Hier könnt ihr den Artikel von weltnah lesen

Die erste Woche…

…. als Majoreros (so nennen sich die Einwohner Fuerteventuras) ist beinahe vorbei.
Beinahe alle wichtigen Amtsgänge und Besorgungen sind erledigt, wobei es sich zu einem wahren Abenteuer gestaltete, hier ein Bankkonto zu eröffnen. Wer der Bürokratie Deutschlands entfliehen möchte, ist in Spanien definitiv FALSCH! lol
Aber nach gefühlt 28 Versuchen, und unzähligen Dokumenten, die wir besorgen mussten haben wir es doch geschafft, ein Bankkonto ist eröffnet..

Nun haben wir nur noch eine Hürde zu bewältigen, Internet zu beantragen. Das wollen wir gleich tun und dann…. kann der Alltag losgehen!

Wir haben uns alle schon gut eingelebt hier und ich fühle mich wirklich schon richtig zu Hause.. ein schönes Gefühl nach drei heimatlosen Monaten.

Ein bisschen Alltag ist auch schon eingezogen, die Jungs lernen jeden Tag fleißig und haben riesigen Spaß daran, ihren Unterrichtsstoff online und am Tablet zu bewältigen. Ich hab meine Jungs noch nie so begeistert lernen gesehen. Das Gute ist, sie können sich die Kapitel, die sie lernen wollen, frei auswählen. Aus allen Fächern, und aus allen Klassenstufen.
Meistens beschränkt sich Ihre Fächerauswahl jedoch auf Deutsch, Mathe, Sachunterricht und Spanisch 🙂 reicht ja auch… so wichtige Dinge wie Religion lassen wir (sie) ganz galant unter den Tisch fallen… dafür lernen sie Wichtiges über Lerntechniken, über Sozialverhalten und das richtige Kommunizieren miteinander.

Auch wenn die anfängliche Begeisterung und das am liebsten 24-Stunden-lernen-wollen bereits etwas abebbt, bin ich mehr und mehr davon überzeugt, dass Kids eigenverantwortliches Lernen viel mehr zu Gute kommt, sie viel mehr verstehen und vor allem wesentlich mehr bereit sind, freiwillig zu tun. Ich musste auf jeden Fall schon ganz viele Fleißsternchen verteilen lach, weil alle beide immer weit über unsere Erwartungen hinaus arbeiten. Ich bin mal gespannt, wie sich das bis Ende August entwickelt, so lange sind sie ja ganz offiziell von der Schule befreit und haben die Möglichkeit, das Freilernen zu geniessen und zu erleben.  Ich würde mir wünschen, dass es so gut klappt, dass sie ihre komplette Schuldbildung frei erlernen können und somit ihre Interessen und Begabungen optimal gefördert werden können..

Lassen wir uns überraschen 🙂